DISSONANZ DER MACHT - Der Schostakowitsch-Abend an der HfMT - HfMT Videoteam - HfMT
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22.05.2026
DISSONANZ DER MACHT - Der Schostakowitsch-Abend an der HfMT
1) Dmitri Schostakowitsch - 24 Präludien, op. 34
Asya Fateyeva – Saxophon
Josefine Kardinar – Violine
Aino Gribajcevic – Violine
Anna Kreetta Gribajcevic – Bratsche
Clemens Malich – Cello
Marcello Biondi – Kontrabass
Elizaveta Don – Klavier
2) Dmitri Schostakowitsch - Sonate für Cello und Klavier, op. 40
Sebastian Klinger – Cello
Aleksandar Madžar – Klavier
3) Dmitri Schostakowitsch - Sonate für Violine und Klavier, op. 134
Tanja Becker-Bender – Violine
Aleksandar Madžar – Klavier
4) Dmitri Schostakowitsch - Sonate für Viola und Klavier, op. 147
Anna Kreetta Gribajcevic – Bratsche
Aleksandar Madžar – Klavier
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Die 1933 entstandenen Präludien op. 34 markieren eine Phase spielerischer Freiheit: kurze, pointierte Stücke, in denen Schostakowitsch rhythmisch leicht, experimentierfreudig und mit hörbarem Witz arbeitet. Zahlreiche Widmungen an befreundete Musiker zeichnen das Bild eines lebendigen Netzwerks in einer Zeit, in der die Kulturpolitik zwar bereits unter stalinistische Kontrolle geriet, sich jedoch noch im Übergang befand.
Gemeinsam mit der Cellosonate op. 40 gehören die Präludien zu den letzten Instrumentalwerken vor dem berüchtigten Zeitungsartikel „Chaos statt Musik“, der Schostakowitschs künstlerische Situation radikal veränderte. Danach wurde sein Stil spürbar konservativer; die provokante Freiheit dieser Stücke weicht später einer vorsichtigen Selbstzensur.
In diesem Konzert erscheinen die Präludien sowohl in ihrer ursprünglichen Klavierfassung als auch in einer Bearbeitung der Saxophonistin Asya Fateyeva. Dadurch entsteht ein reizvoller Dialog zwischen Original und Interpretation – ein Echo jener früheren Freiheit, das in andere Klangfarben übersetzt wird.
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Die Cellosonate von 1934, Viktor Kubatzki gewidmet, entstand in einer frühen Phase des Stalinismus. Kulturelle Repressionen verschärften sich, doch der staatliche Druck war noch nicht vollständig erstarrt; das Werk bewahrt etwas von Schostakowitschs persönlicher Freiheit vor der kommenden ideologischen Enge. Die Violinsonate op. 134, 1968 für David Oistrach komponiert, zählt zu Schostakowitschs düstersten Spätwerken. Der politische Hintergrund – Prager Frühling, sowjetische Invasion und ein Klima tiefgreifender Verunsicherung – prägt die formale Strenge und die entrückte Ruhe des Finalsatzes. Die Violasonate op. 147 aus dem Jahr 1975 schließlich ist Schostakowitschs letzte vollendete Komposition. Sie ist seinem engen Freund Fjodor Druschinin gewidmet und entstand während schwerer Krankheit – ein persönliches Abschiedsdokument in Zeiten politischer Stagnation der Breschnew-Ära.